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"Sie sind ein erstklassiger Gershwin, warum wollen Sie ein zweitklassiger Ravel werden?" Maurice Ravels berühmte Antwort auf die Frage George Gershwins, ob er ihm Unterricht in Harmonielehre und Instrumentation geben könne, bringt die Beziehung zwischen dem Franzosen und dem 23 Jahre jüngeren Amerikaner auf den Punkt. Denn die wurde von großem, gegenseitigem Respekt getragen. Ravel und Gershwin kannten sich gut, mochten und schätzten sich. Und auch wenn ihre Musik doch recht unterschiedlich klingt, biographisch hatten sie eine Menge gemeinsam: den Hang zu Kitsch, raffinierten künstlichen Welten und dandyhafter Eleganz, wohl auch die Schwierigkeiten mit Frauen. Dass sie schließlich im selben Jahr 1937 beide nach einer Gehirnoperation starben, wirkt fast wie ein tragischer Schlussstrich unter die Gemeinsamkeiten ihrer Biographie.
Doch auch musikalisch gibt es durchaus Anknüpfungspunkte. Der Amerikaner gilt als Vater des "Symphonischen Jazz", dem der Klang des französischen Impressionismus eine Menge sagte. Im Werk des Franzosen hinterließ der aus Amerika herüberschwappende Jazz immer wieder seine Spuren. Ravel und Gershwin auf einer CD zu koppeln, wirkt absolut überzeugend. Der französische Pianist Rascal Rogé und das Radio-Symphonieorchester Wien unter Bertrand de Billy haben das vor drei Jahren schon einmal getan, als sie mit glänzendem Ergebnis die Klavierkonzerte der Beiden einspielten. Jetzt lassen sie Ravels 1931 für den einarmigen Pianisten Paul Wittgenstein geschriebenes Konzert für die linke Hand und Gerhwins "Rhapsody in Blue" folgen, und ergänzt wird das Ganze stimmig durch Gershwins legendäres Orchesterwerk "An American in Paris". Ravel selbst wies auf die "vielen Jazzeffekte" in seinem Konzert hin, und die sind in der Tat kaum zu überhören. Das Radio-Symphonierochester Wien ist nicht unbedingt eine klassische Jazz-Combo - aber Bertrand de Billy, seit fünf Jahren Chefdirigent des Orchesters, hat für die Gershwin-Produktion so etwas Ähnliches daraus gemacht. Wunderbar idiomatisch finden sich die Österreicher in den jazzigen Gershwin-Sound. Und Pascal Rogé erweist sich - wie schon vor drei Jahren - als furioser, geistreicher, in den Schattenseiten des Ravelkonzertes auch nachdenklicher Anwalt für Ravel und Gershwin, diese ungleich gleichen Brüder im Geiste. Oswald Beaujean, Bayern 4 Klassik ____________________________________________________________________________________________ |